Märchenhaftes Hessen
Auf den Spuren der Brüder Grimm
  • Auf den Spuren der Brüder Grimm:
    9 Touren durch Hessen
  • Im Fokus wirft Schlaglichter auf Leben, Werk
    und Wirken der Brüder Grimm
  • Die hessische Ministerin für Wissenschaft und Kunst
    Eva Kühne-Hörmann im Gespräch
  • Die besten Tipps, Adressen und Informationen
  • Topaktueller Service auf www.merian.de

Einführung

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Auf den Spuren
der Brüder Grimm

Willkommen in Hessen Mitten in Deutschland und vielseitig wie Deutschland. Auf Spuren der Brüder Grimm lassen sich alle Faccetten des Landes erkunden.

Willkommen in Hessen Mitten in Deutschland und vielseitig wie Deutschland. Auf Spuren der Brüder Grimm lassen sich alle Faccetten des Landes erkunden.

Es war einmal …

Das Land, das es kennen zu lernen gilt, ist ein Land voller Burgen, auf denen Fürsten regiert und Ritter gekämpft haben, voll alter Abteien und dunkler Bergwerke, überragt von gotischen Domen, durchzogen von uralten Handelswegen, übersät von sonntäglich herausgeputzten Städtchen und voller Wälder, in denen möglicherweise noch heute Hexen hausen und Zwerge durchs Unterholz stapfen. Ganz sicher kann man da nie sein. Nicht in Hessen, jedenfalls.

In diesem grünen und hügeligen Landstrich zwischen Hohem Meißner und Odenwald sind die Brüder Jacob und Wilhelm Grimm vor 200 Jahren den Spuren einer reichen Geschichte gefolgt, haben Sagen und Märchen gesammelt und gelauscht, was die Menschen um sie herum zu erzählen hatten – von verzauberten Prinzessinnen und bösen Stiefmüttern, von zornigen Kobolden und gütigen Königen, von daumesdicken Kerlchen und Bauernburschen, gewitzt genug, um selbst dem Teufel ein Schnippchen zu schlagen.

Die Brüder Grimm haben aber auch selber ihre Spuren in Hessen hinterlassen, sind hier geboren worden, zur Schule gegangen und haben studiert, sie haben gearbeitet und ausgelassenen Feste gefeiert, sind durchs Land gezogen, haben ihre Freunde besucht und sich, wo es nötig war, auch mit der Obrigkeit angelegt.

… so leben sie noch heute

Die Spuren der Geschichten und die Spuren ihrer Sammler – beides sind Ziele, auf die dieser Reiseführer aufmerksam machen will. Er tut es, indem er selber Geschichten erzählt. Etwa die vom Dragonerwachtmeister Krause, der als Gegenleistung für die Märchen aus der Spinnstube ein paar abgelegte Beinkleider forderte. Oder die vom Maler Otto Ubbelohde, der sich die schönsten Plätze seiner hessischen Heimat ausgesucht hat, um den Märchen der Brüder Grimm ein Zuhause zu geben.

Man kann ja im schönsten Wald stehen und ihn vor lauter Bäumen nicht erkennen. Das soll, bitte, in Hessen nicht passieren.

Tour 1—9

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Tour 1—9

Die Reihenfolge der Touren folgt den Lebensstationen der Brüder Grimm, begonnen im Geburtsort Hanau bis Wetzlar als angebotenem Asylort.

Tour 1

Hanau – Abstecher: Hof Trages – Steinau an der Straße – Schlüchtern

Urgroßvater, Großvater und Vater Grimm – sie alle waren an Main und Kinzig als Pfarrer oder Stadtschreiber aktiv. Jacob und Wilhelm wurden am Paradeplatz (heutiger Freiheitsplatz) 1785 bzw. 1786 in Hanau geboren, unweit der gotischen Marienkirche, an der ihr Urgroßvater viele Jahre gepredigt hatte. Ludwig Emil, der später Malerei studierte und seine Brüder in vielen Lebenssituationen zeichnete, kam 1790 in der Lang­straße zur Welt. Beide Geburtshäuser sind im Zweiten Weltkrieg zerstört worden; Gedenktafeln und das eindrucksvolle Brüder Grimm-Nationaldenkmal am Marktplatz erinnern an die berühmten Geschwister.

Ihre gefühlte Heimatstadt ist Steinau an der Straße, das an dem wichtigen Handelsweg zwischen Frankfurt und Leipzig im Mittelalter gegründet worden war und jahrhundertelang als Kutschenwechselstation diente. Nachdem der Vater zum Amtmann befördert worden war, zog die Familie dorthin um. Wilhelm und Jacob waren vier und fünf Jahre alt.

Viele Steinauer Kindheitserinnerungen sind in Wort und Bild festgehalten, sei es der Unterricht beim gestrengen Lehrer Zinckhan in der reformierten Schule am Kumpen, fröhliche Stunden im »Biengarten« oder der frühe Tod des Vaters nach nur fünf Jahren in dem kleinen Städtchen. Highlight ist das zum Brüder-Grimm-Haus umgewandelte ehemalige Amtshaus mit Ausstellungen zum Leben der Familie und großzügigen Märchen-Spielstationen. Auch im Steinauer Schloss ist ein Grimm-Raum eingerichtet. Das beliebte Marionettentheater im Marstall hat ständig die grimmschen Märchen im Programm.

Tour 2

Altstadtspaziergang durch die Universitätsstadt Marburg, Abstecher nach Lahntal-Goßfelden und weiter ins „Rot- käppchenland“, nach Willingshausen, Alsfeld und nach Bad Hersfeld.

»In Marburg muss man seine Beine rühren und Treppe auf, Treppe ab steigen«, erinnert sich Jacob Grimm im Jahr 1850 an seine Studentenzeit. Rund 50 Jahre zuvor hat er die steilen Gassen am Schlossberg täglich bewältigt und der grandiosen Aussicht dabei dennoch viel abgewonnen. Mit dem »Grimm-Dich-Pfad« kommt man von der Elisabeth­kirche hinauf zum Landgräflichen Schloss und ist dabei stets mit den Grimms und ihren Zeitgenossen auf Tuchfühlung: In der Barfüßer­straße 35 bezogen Jacob und Wilhelm ihre erste kleine Wohnung, über die Wendelgasse stiegen sie hoch zur Ritterstraße 15, wo ihr wichtigster Lehrer, Freund und Weg­bereiter Friedrich Carl von Savigny im Forsthof offene Sprechstunde hielt. Eine Ausstellung im »Marburger Haus der Romantik« und im Schlossmuseum erinnert an die Grimms und ihre Zeitgenossen.

In Lahntal-Goßfelden besuchten die Brüder häufig Pfarrer Bang, der ihnen zu Studienzeiten mit den alten Sprachen und später bei der Recherche für die Märchen und zum Deutschen Wörterbuch half. Verwunschen liegt das Wohnhaus des Jugendstil-Künstlers Otto Ubbelohde im ländlichen Idyll, der die grimmschen Märchen und Sagen mit Motiven aus der Marburger Oberstadt und dem Lahntal illustrierte. Alsfeld zeigt sich als Fachwerkstädtchen wie aus dem Märchenbuch. In Bad Hersfeld ist neben Konrad Duden und Konrad Zuse das Tapfere Schneiderlein zu Hause; in der Wissens- und Erlebniswelt »Wortreich« kann man ihnen und den Brüdern Grimm ganz spielerisch begegnen.

Tour 3

Vom Brüder-Grimm-Platz zum Brüder-Grimm-Museum und zum Fridericianum oder zum Bergpark Wilhelmshöhe; ehemalige Wohnhäuser und Grab der Märchenfrau Dorothea Viehmann in Niederzwehren, Einkehr in der »Knallhütte« zu Baunatal; das Schneewittchendorf Bergfreiheit bei Bad Wildungen

Jacob und Wilhelm Grimm lebten (mit Unterbrechungen) von 1798 bis 1841 in Kassel, der Stadt, aus der ihre Mutter Dorothea Zimmer stammte. Hier legten sie ihr Abitur ab, hier sammelten sie Märchen und Sagen, hier verbrachten sie die glücklichsten Jahre. Schwester Lotte besorgte bis zur eigenen Eheschließung den Haushalt in der geschwisterlichen Wohngemeinschaft, während Jacob für den Lebensunterhalt aufkam: ab 1806 im hessischen Staatsdienst, ab 1816 als Bibliothekar, zusammen mit Wilhelm, in der Kurfürstlichen Bibliothek im Fridericianum, wo sie nur halbtags angestellt waren, sodass genug Zeit für die eigenen Sprachforschungen blieb. Das Brüder-Grimm-Museum an der Schönen Aussicht zeigt eine vorzügliche Ausstellung zu Leben, Werk und Wirkung der beiden Urväter der Germanistik. Seine gebührende Würdigung findet auch das Schaffen des jüngeren, malenden Bruders Ludwig Emil, der nach Lehr- und Wanderjahren als Professor an der Kasseler Kunstakademie tätig war.

Wer der »Viehmännin« Ehre erweisen will, die den Grimms fast 40 Märchen in die Feder diktiert hat, der begebe sich nach Niederzwehren und nach Baunatal: in die »Brauereigaststätte Knall­hütte«, dem eigent­lichen Herkunftsort vieler Märchen. Dorothea Viehmann hat hier als Tochter des hugenottischstämmigen Wirtes schon in jungen Jahren die Geschichten der Familie und der Durchreisenden aufgeschnappt. Noch heute betritt eine Märchenfrau jeden Samstag um 17.30 Uhr den Gastraum und erzählt die Märchen der Brüder.

Tour 4

Expeditionen in den Märchenwald rund um Saba- und Trendelburg

Meterhohe Adlerfarne, uralte Huteeichen – sich im Reinhardswald zu verlieren ist ein echtes Abenteuer. Der bösen Hexe wird man wohl nicht begegnen, dafür aber Rapunzel und Dornröschen und vielen wilden Tieren, die im ältesten Tierpark Europas gleich neben dem Dornröschenschloss Sababurg zu Hause sind. Landgraf Wilhelm IV. hat 1571 den Wildpark anlegen lassen, 80 verschiedene Arten leben heute hier. An den präch­tigen Greifvögeln, den zotteligen Wisenten und den niedlichen Zicklein im Streichelzoo erfreuen sich vor allem die kleinen Besucher. Pflichtprogramm für die Großen ist es, Dornröschen im Schloss einen Besuch abzustatten, am allerschönsten zur Rosenblüte Ende Mai bis Mitte Juli. Die Prinzessin und der Königssohn führen am Wochenende ihre Lovestory persönlich auf, auch wenn die Anlage der Sage nach für Saba, die Tochter eines Riesen erbaut worden ist; genauso wie die Trendelburg für ihre Schwester Trendula. Von deren 38 Meter hohem Bergfried lässt Rapunzel jeden Sonntag ihr goldenes Haar herab und lädt danach zur Autogrammstunde ein. In beiden kleinen Hotels kann man zum Märchendinner oder gemütlich über Nacht bleiben. Ein Naturdenkmal bei Gottsbüren, der »Nasse Wolkenbruch«, ist ein 60 Meter tiefer Erd­trichter und gilt als das sagenhafte Grab der Riesentochter Trendula. Zur Hans-im-Glück-Stadt hat sich Immenhausen ausgerufen. Infotafeln entlang eines 15 Kilometer langen Abschnitts des Märchenlandwegs erklären dort lokale Sagen.

Tour 5

Im Gefolge der Nibelungen quer durch Südhessen

Ein magischer Ort ist das Felsenmeer, das sowohl in Wanderschuhen auf dem frisch prämierten Nibelungensteig als auch auf der Nibelungen-Siegfried-Straße bestens zu erreichen ist. Der antike Steinbruch im schönen Odenwald ist als Kletterparadies bei Jung und Alt beliebt.

Durch die Schlacht zweier Riesen, die sich mit Felsbrocken vom Felsberg und vom Hohenstein aus bewarfen, soll es der Sage nach ent­standen sein. Der Hohensteiner Riese trug den Sieg davon, unter dem Felsenmeer liegt seither der Riese vom Felsberg begraben. Die eifrige Sammeltätigkeit der Brüder Grimm löste im 19. Jh. eine wahre Sagen­begeisterung aus: Allerorten begann man die eigenen mythischen Wurzeln zu erkunden.

Eine wichtige Station im Nibelungenland ist der Siegfriedbrunnen im Wald bei Grasellenbach, wo Siegfried, der Held der Nibelungensage, von Hagen von Tronje ermordet worden sein soll, auch wenn noch ein paar andere Odenwälder Orte diese Bluttat für sich reklamieren. 1851 wurde jedoch Grasellenbach von einem Darmstädter Historiker als Tatort ausgewiesen, rundherum kann man kneippen, kuren und die Gegend erkunden. Die bekannteste Odenwälder Sage ist sicher die des Rodensteiners. Auch die Grimms führen sie im ersten Band ihrer »Deutschen Sagen« auf. Ein Ausflug lohnt zur einsam gelegenen Rodensteiner Burgruine und dem unterhalb gelegenen Gasthaus im Hofgut. Zwar wurde der Burgbesitzer selbst nie gesehen, oft aber gehört: Immer dann, wenn ein Krieg vor der Tür stand, hallte sein Geisterheer durch die Luft.

Tour 6

Von Bad Soden am Taunus nach Wiesbaden. Am Rhein entlang zum Brentano-Haus in Oestrich-Winkel und zu den Rheingau- Schlössern Vollrads und Johannisberg.

Der zeitlebens kränkelnde Wilhelm Grimm kurte 1831 bis 1834 in Wiesbaden und 1855 in Bad Soden am Taunus, wo der berühmte Champag­nerbrunnen sprudelte. Heute schmückt ein »Märchenschloss aus Tau­send­und­einer Nacht« die Stadt: das Hundertwasserhaus, das 1990 entstand. Er war in guter Gesellschaft: Viele Literaten und Geistesgrößen kamen im 19. Jh. wegen der heilsamen Wasser in den südlichen Taunus und an den Rhein. An den »glückseligen Ufern«, so Wilhelm in einem Brief, besuchte er auch Mainz, Hochheim und die beschaulichen Orte des Rheingaus. Bereits 1815 war er, zusammen mit Friedrich Carl von Savigny und dem malenden Bruder Ludwig Emil, durch Winkel am Rhein gereist, wo die Familie Brentano bis heute ein romantisches Landgut besitzt. Das Anwesen mit Weingarten und original eingerichtetem Goethezimmer (der hier im selben Jahr am West-östlichen Diwan schrieb) ist an bestimmten Tagen im Jahr mit Führung zu besichtigen. Zur Einkehr steht die südländisch-anmutende Terrasse des Gutsausschanks im Erdgeschoss bereit.

Eine schöne Wanderung führt von Schloss Vollrads, einst eine mittelalterliche Wasserburg, zur weltberühmten Rieslingdomäne Schloss Johannisberg, die Klemens Fürst von Metternich aus einem ehemaligen (exakt auf dem 50. Breitengrad liegenden) Benediktinerkloster hervorgebracht hat. Wo man noch immer ganz elegant vom Alltag abschalten kann, ließ Wilhelm bereits vor 200 Jahren glücklich-beschwipst die Beine baumeln.

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Tour 7

Göttingen – Witzenhausen – Kassel; Abstecher: Hoher Meißner zum Frau-Holle-Teich, nach Nentershausen und zur Friedrichshütte (Bebra-Iba)

Die Brüder Grimm haben von 1829 bis 1837 in der Goetheallee 6 in Göttingen gewohnt. Im gleichen Haus, links neben dem Eingang, lag auch der Hörsaal, in dem sie ab 1830 ihre Vorlesungen hielten. Sieben Jahre später wurden sie von König Ernst August von Hannover zusammen mit fünf Kollegen entlassen, da sie die Treue zur Verfassung über die Treue zum Landesherrn gestellt haben. Literaturnobelpreisträger und Bildhauer Günter Grass hat den »Göttinger Sieben« im Jahr 2010 vor der Georg-August-Universität ein Denkmal gesetzt.

Drei der als Freiheitskämpfer und demokratische Wegbereiter berühmt gewordenen Professoren mussten die Stadt sofort verlassen: darunter Jacob Grimm. Nach Kurhessen fliehend, wurde er von begeisterten Studenten auf der Werrabrücke bei Witzenhausen in Empfang genommen. Sie spannten ihm die Pferde aus, zogen seine Kutsche eigenhändig vor das damals neue Rathaus und hielten eine Kundgebung ab. Über Nacht blieb Jacob im Gasthaus zur Krone.

In Witzenhausen kommen auch Märchenfans auf ihre Kosten. Im Burghotel ist das Frau-Holle-Konsulat untergebracht, wo man nahezu alles über die mythische Bettenschüttlerin und die Märchen und Sagen, die sich um sie ranken, erfahren kann. Wer Glück hat, wird zur Frau-Holle-Botschafterin berufen. Auf dem Hohen Meißner kann man Frau Holle dann auf Schritt und Tritt begegnen. Ein idyllisch gelegener Teich, aus dem nach altem Glauben die Babys kommen, ist auf der Ostseite nahe der Bergkuppel nach ihr benannt.

Tour 8

Frankfurt – Goddelau – Darmstadt

Schon als kleine Kinder haben die Grimms Frankfurt von Hanau aus immer wieder besucht. Die Stadt war ihnen jedoch stets zu »voll« und zu »unruhig«, sodass sie nie erwogen, beständig dort zu leben. Im Zentrum von Frankfurt liegt seit über 500 Jahren der Römer als Rathaus der Stadt. Wo die im Frankfurter Dom gekrönten deutschen Kaiser ihr Festmahl einnahmen und noch heute die Kaiserporträts aufgereiht sind, kamen im September 1846 über 200 »Germanisten« zusammen: Diese Bezeichnung wurde damals in Frankfurt geprägt. Jacob Grimm wurde zum Vorsitzenden der neuen Germanistenvereinigung bestimmt, Wilhelm referierte bei dieser Gelegenheit über die Arbeit der Brüder am Deutschen Wörterbuch.

Als zwei Jahre später die erste demokratisch gewählte Nationalversammlung in der Paulskirche einberufen wurde war Jacob einer von 600 Abgeordneten. Sein Antrag für freiheitliche Grundrechte wurde berühmt, auch wenn er damals keine Mehrheit fand: »Das deutsche Volk ist ein Volk von Freien; und deutscher Boden duldet keine Knechtschaft. Fremde Unfreie, die auf ihm verweilen, macht er frei.« Jacob musste für einige Monate in Frankfurts Innenstadt wohnen, die ihm, auch wegen einiger Verehrerinnen, wieder zu trubelig war. Er bevorzugte Spaziergänge nach Bocken- und Rödelheim, wo er bei Lesezirkeln im romantischen Petrihaus von Georg Brentano an der Nidda auf Gleichgesinnte traf.

Tour 9

Besuch in der Phantastischen Bibliothek Wetzlar und im Mathematikum Gießen

Über 200 Briefe sind erhalten, die Paul Wigand und die Brüder Grimm miteinander wechselten. Der Schul- und Studienfreund aus Kasseler Tagen blieb zeitlebens ein wichtiger Gesprächspartner, mit dem man sich über die Kinder und Kanarienvögel und vor allem über Literatur unterhielt. Zusammen mit Wilhelm war Paul dem älteren Jacob 1803 zum Studium nach Marburg gefolgt. 1808 war er bereits Friedensrichter in Höxter an der Weser. Wilhelm war drei Jahre später glücklich, Pate des frisch geborenen Wilhelm Wigand zu sein, »wodurch unsere Freundschaft nun auch eine geistige Verwandtschaft wird«.

Nach der Flucht aus Göttingen war es dem Freund eine Freude, den Brüdern in Wetzlar Asyl anzubieten, wo er seit 1833 Stadtgerichtsdirektor war. Ein Umzug in das hübsche Städtchen an der Lahn war für diese jedoch keine Option. Heute macht hier die »Phantastische Bibliothek« den Märchen und Sagen der Brüder Grimm alle Ehre. Neben der weltweit größten öffentlich zugänglichen Sammlung fantastischer Literatur (Science-Fiction, Fantasy, Horror, Märchen, Sagen und Mythen sowie Abenteuerliteratur) locken die Wetzlarer Tage der Phantastik im September Freunde dieses Genres an. Kühler kalkuliert man im »Mathematikum« in Gießen, das sicher Jacobs Gefallen gefunden hätte.

Im Fokus

Im Fokus

Weitere kulturell und historisch bedeutende Orte in Hessen

Im Fokus 1

Malerkolonie Willingshausen
Ein einarmiger Offizier begründete im Süden der Schwalm in den 1820er-Jahren die älteste Künstlervereinigung in Europa.

Wieder einmal ein Krieg, der die Dinge in Bewegung setzte: Oktober 1813, die Völkerschlacht bei Leipzig. Eine Koalition aus Preußen, Österreichern, Schweden und Russen hatte Napoleon in die Flucht getrieben – Gerhardt Wilhelm von Reutern (1794–1865) kam verwundet nach Willingshausen im Schwälmer Land. Der in russischen Diensten stehende Balte hatte im Gemetzel seinen rechten Arm verloren. Die Familie des Schlossbesitzers von Schwertzell, angeheiratete Verwandte, pflegte ihn gesund. Reutern reiste nach Weimar, begegnete Goethe, und der Dichter war beeindruckt vom Talent des jungen Offiziers. »Malen Sie!«, riet er – der Soldat hatte damit einen neuen Lebensinhalt gefunden. Die farbenfrohe Tracht des Schwälmer Landes bot gute Gelegenheit, Auge und Hand zu schulen, der Autodidakt komponierte Genreszenen und hielt die sanft geschwungene Landschaft fest. Reutern heiratete Charlotte von Schwertzell, eine Tochter des Schlossbesitzers, Willingshausen wurde seine Heimat, und die Familie des Zaren sorgte mit Aufträgen für sein Auskommen. Viele seiner Bilder gelangten so in die Eremitage nach St. Petersburg.

Ein Freundeskreis entsteht

1824 kam Ludwig Emil Grimm hinzu. Er hatte an der Kunstakademie in Kassel studiert und anschließend in München; er kannte Willingshausen, liebte die Landschaft und genoss die ländliche Ruhe. Nun suchte auch Reutern sein Spektrum zu erweitern und seine Technik zu verfeinern. Er ging an die Akademie nach Düsseldorf, brachte seinen dortigen Lehrer Theodor Hildebrandt und dessen Kollegen Jakob Fürchtegott Dielmann nach Willingshausen – der Freundeskreis erweiterte sich zur Malerkolonie, zur ältesten Künstlervereinigung in Europa. Bald mischten sich die Erkenntnisse und Stile der Düsseldorfer und der Münchner Schule, der Akademien in Berlin und Frankfurt, Dresden und Weimar zu einem eigenen Amalgam, das immer mehr Künstler anlockte: Das idyllische Dorf in der Schwalm lag im Schnittpunkt ihrer Sphären.

Internationale Bedeutung

In der Romantik wurde Willingshausen international, bis zum Impressionismus galt der Name als Institution: Ludwig Knaus und Otto Ubbelohde kamen in das malerische Dorf, der von Adolph von Menzel gelobte und von Max Liebermann beeinflusste Otto Piltz und Fritz Grebe. Paul Baum hatte sein Auge an der Schule von Barbizon in Frankreich und am Pointillismus der belgischen Neo-Impressionisten geschult, sein Kollege Carl Bantzer wurde zu einem einflussreichen Lehrer der Moderne. Zu seinen Schülern gehörten der Expressionist Conrad Felixmüller und der hannoversche Dadaist Kurt Schwitters. In einer Wanderschau 1892 beeindruckte Bantzers im Jahr zuvor entstandene »Hessische Abendmahlsfeier« das Publikum von Wien und München bis Breslau und Berlin. Seine Kraft bezog das spätimpressionistische Gemälde aus dem strengen und kargen Raum, in dem der Künstler die Szene ansiedelte. Es ist die im 12. Jh. erbaute Wehrkirche in Wenkbach bei Marburg – die Kraft ist dort immer noch zu erahnen.

Ihre Bedeutung für den Fortgang der Kunstgeschichte ist vielleicht nicht mehr die, die sie einmal war – doch immer noch wird in der Künstlerkolonie Willingshausen vor der Natur gemalt und gezeichnet. Erfahrene Künstler bieten Praxiskurse, der Verein »Malerstübchen Willingshausen e.V.« zeigt Ausstellungen zu Geschichte und Gegenwart der Malerei in Hessen, junge Meister können sich um ein Stipendium im denkmalgeschützten Hirtenhaus bewerben. Und ringsum liegt immer noch das Land, das so viele Kunstschaffende inspiriert hat.

Im Fokus 2

Dom- und Kaiserstadt Fritzlar
Mit dem Fällen der Donar-Eiche durch Bonifatius beginnt im Jahr 723 die Christianisierung Mittel- und Norddeutschlands.

Fritzlar ist keine der zentralen Stationen auf dem Lebensweg der Brüder Grimm. Auch will kein Historiker nachweisen, dass einst Rotkäppchen auf ihrem Weg zur Großmutter über den Platz geschlendert ist, an dem sich der gewaltige Dom St. Peter erhebt, im 11. Jh. begonnen und dann über viele Generationen und Epochen hinweg ausgebaut und erweitert. Doch spätestens seit jenem Herbsttag im Jahr 723, an dem ein Sonnenstrahl genau im richtigen Moment durch die Wolkendecke brach und die vordem heidnischen Chatten an der Macht ihrer Götter zweifeln ließ, ist die Stadt an der Eder ein Ort, von dem die an Mythen und Helden, Glücksmomenten und Katastrophen reiche Geschichte des Landes ihre Impulse empfing. Vieles ist den alten Wehrtürmen, Klostermauern und Patrizierhäusern noch heute eingeschrieben, vieles lässt sich erforschen und belegen, manches nur erfühlen und erahnen, wie es die Märchen- und Sagen-Zuträger der Brüder Grimm getan haben – mit anderen Worten: Fritzlar ist ein Kleinod.

Die heilige Eiche fällt

Es war der angelsächsische Missionar Bonifatius (ca. 672–ca. 755) – von der katholischen Kirche als Apostel Deutschlands bezeichnet – dem der göttliche Fingerzeig half, die Zweifler in diesem fernen Zipfel des Frankenreiches zum christlichen Glauben zu bekehren. Der Abgesandte des Papstes in Rom hatte die handfeste Methode gewählt und mit wuchtigen Axthieben die Donar geweihte Eiche gefällt. Der Himmel rumorte, so will es die Überlieferung. Als das Heiligtum der alten Germanen aber fiel, entfesselte kein Donnergott seinen Zorn – stattdessen lachte die Sonne über das fortan christliche Abendland.

Knapp zwei Jahrhunderte später war Fritzlar wiederum Schauplatz eines historischen Meilensteins deutscher Geschichte, als Heinrich I. auf dem Fritzlaer Reichstag 919 zum König des Reiches gewählt wurde. Damit gelangten die Liudolfinger, auch als Ottonen bekannt, auf den Thron. Mit ihnen festigte sich das Deutsche Reich als wichtige Macht in Europa.

Lebendige Geschichte

Natürlich erinnert eine neuzeitliche Bronzeskulptur vor dem Dom an das Ereignis aus mythenumnebelter Vergangenheit. Solch biedere Illustration von Legenden und Geschichte wäre nicht nötig gewesen – in der ganzen Stadt öffnet sich ein Geschichts­panorama von selten anzutreffender Geschlossenheit: vom romanischen Kirchenbau, der sich über dem gleich nach der Missionierung gegründeten Kloster erhebt, über dessen gotische Seitenflügel mit Kreuzgang und Stiftsgebäuden (in denen heute der Domschatz untergebracht ist) bis zum barocken Hochaltar. Vom 1109 erstmals erwähnten Rathaus, dem ältesten Amtshaus Deutschlands, bis zum Ursulinenstift, zu dessen Schülerinnen auch die mit Jacob und Wilhelm Grimm eng befreundete Bettine von Arnim gehörte.

Städtischer Überblick

Ein optisches Panorama, das bei einem Stadt­bummel lebendig wird: der von schönstem Fachwerk eingefasste Marktplatz mit dem Rolandsbrunnen, die Stadtmauer und der grandiose Blick vom Grauen Turm, das stattliche Hochzeitshaus und die Büraburg im Stadtteil Ungedanken, deren im 6. Jh. erbaute Kapelle der irischen Nationalheiligen Bridiga geweiht und so alt ist, dass sie wohl schon heidnischen Kulten gedient hat. Dann kam Bonifatius und fällte die Eiche, und die Geschichte geht erst richtig los.

Im Fokus 3

Im Schneewittchenland
War Margaretha von Waldeck das historische Vorbild für die schöne Märchenfigur? Zwerge gab es jedenfalls in Bad Wildungen …

Bisweilen begegnen sich Wissenschaft und Legende: Schneewittchen gab es wirklich! Sie hieß Margaretha, wurde 1533 als Tochter des Grafen Philipp IV. von Waldeck (1493–1574) auf Schloss Altwildungen geboren – und hatte ein Schicksal, das verblüffende Parallelen zu dem der Märchenprinzessin aufweist: Tatsächlich galt sie als ungewöhnlich schön, tatsächlich starb sie 1554, gerade 21 Jahre alt, unter mysteriösen Umständen hinter den sieben Bergen, nämlich dem Siebengebirge, im fernen Brüssel, damals Hauptstadt der Provinz Brabant. Und tatsächlich hatte sie eine Stiefmutter, Katharina von Hatzfeld, die wohl manchen Grund sah, sie eifersüchtig zu verfolgen.

Die Tochter des Grafen, sechstes von elf Kindern aus dessen erster Ehe mit Margarethe von Ostfriesland, war mit gerade 16 Jahren in zweifacher Mission an den habsburgischen Hof nach Brüssel geschickt worden. Dort regierte Maria von Böhmen und Ungarn, die Schwester von Kaiser Karl V., als Statthalterin der spanischen Niederlande. Die junge Frau aus Wildungen sollte, erstens, als Ehrenjungfer nach einem standesgemäßen Ehemann Ausschau halten und zweitens die Freilassung des hessischen Landgrafen Philipp (1504–1567), später »der Großmütige« genannt, aus kaiserlicher Gefangenschaft erwirken. Beide Philipps, Margarethas Vater und der Landgraf, hatten sich frühzeitig für die Reformation in ihrer Heimat stark gemacht. Philipp von Waldeck war Martin Luther 1521 auf dem Reichstag in Worms begegnet und seither ein überzeugter Anhänger; Philipp von Hessen hatte 1527 in Marburg die erste protestantische Universität gegründet und war 1547 nach der Niederlage im Schmalkaldischen Krieg vom katholischen Kaiser festgesetzt worden. Auftritt Schneewittchen.

Tod durch Arsen?

Nun aber verzweigen sich die Vermutungen. Betörte Margarethas Schönheit die falschen Männer? Kronprinz Philipp II. von Spanien (1527–1598) soll ihr nahegekommen sein – doch war für ihn die Ehe mit seiner deutlich älteren Tante vorgesehen, Maria I. von England (1516–1558), die Hunderte Protestanten als Ketzer auf den Scheiterhaufen schickte und dafür im Volk den Schmähnamen »Bloody Mary« trug. Musste Margaretha also aus dynastischen Gründen aus dem Weg geräumt werden? Oder war es Eifersucht? Auch der Niederländer Lamoral Graf von Egmont (1522–1568) war in Liebe entbrannt und schenkte der jungen Waldeckerin sein Bildnis. Oder waren es tatsächlich Nachstellungen der Stiefmutter, deren Ehe kinderlos bleiben sollte? Von Arsen ist in den Chroniken die Rede, und Toxikologen wissen, dass mit dem langsam wirkenden Gift auch die zittrige Schrift auf dem Testament Margarethas zu erklären wäre. Das mit sieben Siegeln beglaubigte Dokument liegt im Hessischen Staatsarchiv zu Marburg, Aktenzeichen 115.1 Nr. 251. Wer es liest, dem fährt ein Schauer über den Rücken.

Zwerge im Bergbau

Aber wie es in der Wissenschaft so geht: Jede Theorie ruft Konkurrenz hervor. Im heute bayerischen Lohr am Spessart, 200 km südlich von Bad Wildungen, gibt es einen Spiegel, der einst der Schlossherrin Claudia von Venningen eingeflüstert haben soll, ihre Stieftochter Maria Sophia von Erthal sei noch viel schöner als sie. Und ein »Schneewittchenwanderweg« führt vom Schloss ins hessische Bieber bei Gelnhausen, wo Zwerge im Bergwerk gearbeitet haben. Es heißt, der Stoff des Märchens sei in 75 Versionen in aller Herren Länder verbreitet; die Brüder Grimm sammelten, destillierten und komponierten daraus einen Mythos von Weltgeltung: Jeder kennt Schneewittchen. Das Schloss in Lohr beherbergt heute das Spessartmuseum. Das Meisterwerk der Kurmainzischen Spiegelmanufaktur ist dort immer noch zu sehen. Und sagt zu alledem kein Wort.

Die Geschichte der Zwerge dagegen ist verbürgt: In Bergfreiheit, einem dörflichen Stadtteil von Bad Wildungen, konnten im 16. Jh. tatsächlich nur Kleinwüchsige in die gerade einmal tischhohen Stollen der Kupfermine einfahren. Meist also Kinder. Das war in vielen Bergwerken der Zeit so. Wenn sie nach Jahren in der klammen, kalten, vom krebserregenden Grubengas Radon geschwängerten Dunkelheit wieder ans Licht kamen, wirkten sie wie verwelkt. Um ihre Kindheit betrogen, verwachsen, bleich und vor der Zeit zu Greisen geworden.

Die Geschichte des Bergbaus prägt den Ort, im Schneewittchenhaus wird sie lebendig – und manches Haus in Bergfreiheit wirkt noch heute, als könnten die sieben Zwerge abends heimkehren, sich an den Tisch setzen, von ihrem Tellerchen essen …

Im Fokus 4

Johannes Gutenberg in Eltville
Der Mann, mit dem die Neuzeit begann, lebte wohl für einige Jahre in der Weinstadt und lernte dort lesen und schreiben.

Sein Name war Henne Gensfleisch, und dass seine Biografie so markante Lücken aufweist, könnte daran liegen, dass die Welt noch eine andere war. Seine Erfindung sollte das ändern, und zwar gründlich. Aber in einer Zeit, da jeder Eintrag in einem Kirchenbuch mit einem Gänsekiel hingekratzt und jedes Wort von Hand geschrieben werden musste, da nur eine kleine Elite lesen und schreiben konnte und Bücher nur in den Skriptorien der Klöster existierten, konnte es nun mal passieren, dass eine Fährte verloren ging.

Auszug aus Mainz

War also jener Johannes de alta villa, der 1418/1419 an der Universität in Erfurt auftaucht, wirklich identisch mit jenem Johannes, landesübliche Kurzform Henne, der irgendwann zwischen 1393 und 1404 als Sohn des Patriziers Friele Gensfleisch und seiner Frau Else Wirich im Hof »Zum Gutenberg« in Mainz aktenkundig geworden war? »Alta villa«, das war der lateinische Name für Eltville. Tatsächlich ist es wahrscheinlich, dass der Vater um 1411 von Mainz in den Rheingau gezogen ist, wo die Familie aus mütterlichem Erbe ein Haus besaß. Henne wäre dann in die »gemein Schul« bei der Kirche St. Peter und Paul gegangen. Und ganz sicher ließ sich sein Bruder Friele 1434 in der Burghofstraße zu Eltville nieder.

Henne verschwand. Er kehrte nach Mainz zurück, in den Hof »Zum Gutenberg«, arbeitete, experimentierte – und erfand als Johannes Gutenberg die Druckerpresse und den Buchdruck mit beweglichen Lettern. Gestorben am 3. Februar 1468 zu Mainz, begraben dort in der Franziskanerkirche. Das Grab ist nicht mehr auffindbar.

Aber die Welt trat in ein neues Zeitalter ein: Lesen, Bildung, zuerst Ablassbriefe, aber bald auch die Lutherbibel. Alphabetisierung, Pamphlete, Revolutionen, philosophische Welterklärungen, ein neues Menschenbild – die Neuzeit. Und wer schuf die technische Grundlage dafür, dass Grimms Märchen eine Auflage von weltweit ungefähr 1 Mrd. Exemplare erreichen konnten?

Weinpressen als Vorbild?

Mainz gedenkt seiner im Gutenberg-Museum gegenüber dem Dom. Schreiben und lesen gelernt hat er womöglich in Eltville. Die kleine Stadt im Rheingau mit ihren verwinkelten Gassen, der Uferpromenade und den grandiosen Villen am Rhein hat im Turm der Kurfürstlichen Burg eine Gedenkstätte eingerichtet. Hier ernannte Kurfüst Adolf II. von Nassau am 17. Januar 1465 den Erfinder zum Hofmann; die Apanage: jährlich 20 Malter, also 2180 Liter Korn und zwei Fuder, also 2000 Liter Wein. Und Steuerfreiheit.

Im Haus der Brüder Heinrich und Nikolaus Bechtermünze entstanden, wahrscheinlich unter Gutenbergs Anleitung, Druckwerke wie der »Vocabularius ex quo« – so etwas wie ein Urahn des Grimm’schen Wörterbuchs. Im Turm sind Faksimiles, Werkzeuge und eine frühe Druckerpresse aus Italien zu sehen. Und zu bedenken wäre die sehr einleuchtende Idee, dass Anstoß und Vorbild zu ihrer Erfindung ein gerade in dieser Region sehr vertrautes Gerät gewesen sein könnte: die Weinpresse.

Fachwerk überall

Das heutige Stadtbild wird aber vor allem von Fachwerk geprägt. Die meisten Fachwerkhäuser entstanden zwischen 1550 und 1850, in der ganzen Altstadt und allen Stadtteilen findet man sie zuhauf. Als man im beginnenden 18. Jh. wenig Sinn für die Schönheit der Holzarchitektur hatte, begann man, viele Fachwerke unter Putzanstrichen zu verstecken. Eine vorbildliche Stadtsanierung im Lauf des 20. Jh. hat all diese Schätze aber wieder ans Tageslicht gebracht, und so kann man heute überall in Eltville die hölzernen Zeugen der Vergangenheit bewundern.

Im Fokus 5

Interview mit der hessischen Ministerin für Wissenschaft und Kunst Eva Kühne-Hörmann

F: Auf den Spuren der Brüder Grimm – warum in Hessen?

A: Ganz einfach: Hessen ist das Land der Brüder Grimm. Sie sind hier geboren, haben hier ihre ganze Jugend verlebt, haben hier studiert und ihre wichtigsten Berufsjahre verbracht. Von Hanau über Steinau, Marburg und Kassel sind die Spuren der Grimms vom Süden bis in den Norden zu finden. Mit unseren Routen-Empfehlungen knüpfen wir an authentische Stätten an oder zeigen Orte, die vom vielfältigen Schaffen der Grimms mit geprägt wurden.

F: Der Wolf, der kleine Mädchen frisst, die hungrige Hexe, die zarte Kinder mästet; Prinzessinnen, die ihre Füße verstümmeln; Königinnen, die schöne Rivalinnen vergiften: Grimms Märchen sind voller Grausamkeiten – welches hat Ihnen als Kind am meisten Angst gemacht?

A: Ich bin wirklich kein ängstliches Kind gewesen und fand die aus der Erwachsenensicht manchmal fragwürdigen Passagen eher spannend. Wichtig war für mich immer, dass die Geschichten letztlich gut ausgegangen sind. Da regnen dem armen, einsamen Kind die Sterntaler vom Himmel, das vergiftete Schneewittchen spuckt den Apfel wieder aus und Dornröschen wird vom tapferen Ritter aus ihrer Ohnmacht wachgeküsst. Und selbst der böse Wolf spuckt letztlich das verschlungene Rotkäppchen wieder aus und erhält seine gerechte Strafe. Das war für mich als Kind immer enorm wichtig. Ich könnte gar nicht ausschließen, dass dieser Gerechtigkeitsaspekt in den Märchen bei mir im Unter­bewusstsein mit bewirkt hat, Jura zu studieren – ein interessanter Gedanke.

F: Haben Märchen einen erzieherischen Charakter?

A: Es gibt ein breites Spektrum an Geschichten, die in vielen unterschiedlichen Regionen über Generationen hinweg mündlich weitererzählt wurden. Und nicht immer sind diese Geschichten – wie wir heute meist glauben – Kindermärchen gewesen. In Zeiten ohne Radio und Fernsehen, in denen kaum jemand lesen konnte, waren Geschichtenerzähler auch Erwachsenen-Unterhalter. Sicher sind dabei auch den damaligen Menschen wichtige moralische Werte transportiert worden, die die Zuhörer im Hinterkopf abspeicherten. Hinter die Kulissen der vordergründigen Hand­lungen zu schauen und die eigentlich verpackten Botschaften zu sehen, ist übrigens eine spannende Herausforderung für die Wissenschaft. Zu Grimm wird in Hessen an den Unis von Marburg und Kassel geforscht.

F: Grimm und Märchen sind Schlagworte, die untrennbar miteinander verbunden sind – aber Sie haben es schon angedeutet: Das Erbe der Brüder Grimm steht für viel mehr.

A: Völlig richtig. Natürlich denkt jeder zunächst an die Kinder- und Hausmärchen und das ist ja auch kein Wunder. Denn kein Buch deutschen Ursprungs ist weltweit weiter verbreitet: Die Märchen sind inzwischen in 170 Sprachen übersetzt worden, die kennt fast jeder. Aber es ging den Grimms nicht allein um das Sammeln der Märchen. Sie wollten die Ursprünge der germanischen Literatur erforschen und sind damit zu den Vätern der systematischen Sprachwissenschaften geworden. Denken Sie nur an das Deutsche Wörterbuch, ein Mammutwerk der Literaturwissenschaften, an dem 120 Jahre gearbeitet worden ist. Jacob und Wilhelm Grimm haben aber auch zur Rechtsgeschichte geforscht und sich immer wieder politisch engagiert, das ist alles sehr spannend.

F: Welchen politischen Aspekt gibt es bei den Brüdern Grimm?

A: Als die Brüder aufwuchsen, rollte Napoleon über Europa hinweg, jahrhundertealte politische Strukturen zerbrachen auch in Deutschland und sind damals durch eine neue, von Frankreich beeinflusste Ordnung ersetzt worden. Das hatte eine Gegenreaktion ausgelöst: die Besinnung auf die eigene Kultur und den Wunsch nach einer eigenen deutschen Nation. Die Brüder Grimm haben mit den »Deutschen Rechtsaltertümern« oder der »Deutschen Grammatik« in diesem Sinn geforscht und den Deutschen Selbstbewusstsein vermittelt. Sie haben die Idee einer deutschen Nation befördert. Jacob hat sich 1848 als Abgeordneter in der ersten deutschen Nationalversammlung in der Frankfurter Paulskirche engagiert. Beide Brüder haben sich außerdem mehrmals öffentlich gegen landesherrliche Willkür aufgelehnt, haben daher 1829 Kassel verlassen und sind 1837 aus Göttingen ausgewiesen worden. Nein, einsame Wissenschaftler in ihrem Kämmerlein sind die Brüder Grimm nicht gewesen.

F: Es lohnt sich offensichtlich, über die Grimms Neues zu erfahren, vieles aus deren Leben weiß man gar nicht. Was kann man da tun?

A: Unser Grimm-Land Hessen aktiv entdecken! Zum Grimm-Jubiläumsjahr 2013 wird es an zahlreichen Orten Hessens viele interessante Aktionen geben. Einen Überblick wird der landes­weite Internetauftritt der Grimm-Städte und Grimm-Institutionen unter der Adresse www.grimm2013.de geben. Wer Lust hat, etwas über Biografie, Wissenschaft und vor allem auch mehr zu den Märchen der Grimms an einem Ort komprimiert zu erfahren und zu erleben, der sollte zum Beispiel die zentrale Jubiläumsausstellung in der Kasseler documenta-Halle besuchen – sie beginnt im April 2013 – und von dort aus Touren auf den Spuren der Grimms in das Umland unternehmen. Vor allem die vier hessischen Grimm-Städte Hanau, Steinau, Marburg und Kassel werden viele originelle Ideen zu den Brüdern Grimm realisieren, ich freue mich schon jetzt darauf.

Wissenswertes

Wissenswertes über
Hessen

Hessens märchenhafte Züge haben wir nun kennen gelernt, auf den nächsten Seiten finden sich nützliche Fakten und wissenswerte Informationen.

LANDESHAUPTSTADT

Wiesbaden (276 000 Einwohner)

EINWOHNER

6,09 Mio.

FLÄCHE

21 115 qkm (42 % Wald)

Großstädte

Frankfurt am Main (678 000 Einwohner), Kassel (196 000 Einwohner), Darmstadt (144 000 Einwohner), Offenbach am Main (120 000 Einwohner)

HÖCHSTER BERG

Wasserkuppe in der Rhön (950 m)

INTERNET

http://www.hessen.de

RELIGION

40 % Protestanten, 25 % Katholiken, 10 % Muslime

Gliederung

Regierungsbezirke Kassel, Gießen, Darmstadt, aufgeteilt in 21 Landkreise Wappen: Hessenlöwe

HA Hessen Agentur GmbH –  Tou­rismus- und Kongress- marketing  A5
Konradinerallee 9, 65189 Wiesbaden •  Tel. 06 11/9 50 17-81 91 • www.hessen- tourismus.de • hier finden Sie die touristischen Kontaktadressen aller Regionen und Städte in Hessen

Hessischer Heilbäderverband  B4/5
Le Cannet-Rocheville-Straße 1,  61462 Königstein im Taunus • Tel. 0 61 74/92 65 23 • www.hessischer-heilbaederverband.de

VCH Verband der Campingplatzunternehmer in Hessen e.V. D2
Geschäftsstelle, Hauptstraße 34, 34593 Knüllwald-Remsfeld •  Tel. 0 56 81/60 88 88 •  www.hessencamping.de

Hans Jakob Christoffel von Grimmelshausen (1622–1676), Schriftsteller

Maria Sibylla Merian (1647–1717), Naturforscherin und Künstlerin

Johann Wolfgang von Goethe (1749–1832), Dichter und Naturwissenschaftler

Bettina von Arnim (1785–1859), Schriftstellerin

Brüder Grimm (1785–1863, 1786–1859), Sprachwissenschaftler und Märchensammler

Justus von Liebig (1803–1873), Chemiker

Georg Büchner (1813–1837), Schriftsteller und Revolutionär

Konrad Duden (1829–1911), Philologe und Lexikograf

Philipp Reis (1834–1874), Physiker und Erfinder

Otto Hahn (1879–1968), Chemiker und Kernforscher

Konrad Zuse (1910–1995), Bau- ingenieur und Erfinder

Anne Frank (1929–1945), Tagebuchschreiberin

Rudi Völler (*1960), Fußball- spieler und -trainer

Til Schweiger (*1963), Schau- spieler und Regisseur

Steffi Jones (*1972), Fußball- spielerin

Jessica Schwarz (*1977), Schau- spielerin und Moderatorin

Sebastian Kehl (*1980), Fußball- spieler Felicitas Woll (*1980), Schau- spielerin

Sebastian Vettel (*1987), Automobilrennfahrer

Andrea Petković (*1987), Tennisspielerin

Fabian Hambüchen (*1987), Kunstturner

Heiner Boehncke und Hans Sarkowicz: Die Geschichte Hessens (Societätsverlag, Frankfurt am Main 2010).

Anja Zeller: RadRheinMain (Cocon Verlag, Hanau 2011) Die 22 schönsten Touren rund um Frankfurt, Hanau, Wiesbaden und Mainz.

Heinz Rölleke (Hg.), Kinder- und Hausmärchen: 3 Bde. Ausgabe letzter Hand mit den Originalanmerkungen der Brüder Grimm, Reclam, Ditzingen 2010.

Heinz Rölleke und Albert Schindehütte, Es war einmal: Die wahren Märchen der Brüder Grimm und wer sie ihnen erzählte, Eichborn, Frankfurt am Main 2011.

Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen (Hg.), Kulturelle Entdeckungen: Literaturland Hessen, Regensburg 2009.

Hans-Georg Schede, Die Brüder Grimm, Cocon Verlag, Hanau 2009

Sabine Hock, Grimms Hessen, Societätsverlag, Frankfurt am Main 2007.

www.hessen.de

Allgemeine Infos und Daten.

www.hessen-tourismus.de

Touristische Informationen.

www.hessen-u15.de

Hessen für Kinder.

www.hr-online.de

Nachrichten aus Hessen.

www.hochschullandschaft-hessen.de

Studieren in Hessen.

1785 Jacob wird am 4. Jan. am Paradeplatz (heute Freiheitsplatz) in Hanau geboren.

1786 Am 24. Feb. kommt Wilhelm in Hanau zur Welt.

1791 Die Familie – drei weitere Brüder, darunter Ludwig Emil (1790–1863), sind dazugekommen – siedelt nach Steinau an der Straße über, wo die einzige Schwester, Charlotte (1793–1833), geboren wird.

1796 Der Vater, Amtsmann Philipp Wilhelm Grimm, stirbt in Steinau.

1798 Jacob und Wilhelm besuchen das Gymnasium in Kassel.

1802 Jacob beginnt mit dem Jurastudium in Marburg; Wilhelm folgt ihm ein Jahr später nach und schließt seine Studien (im Gegensatz zu Jacob) 1806 mit dem Examen ab. 1805 wird Jacob von Professor Savigny zu einem mehrmonatigen Parisaufenthalt eingeladen.

1808 Tod der Mutter Dorothea Grimm, geborene Zimmer, in Kassel.

1812 Der erste Band der »Kinder- und Hausmärchen« erscheint in einer Auflage von 1000 Exemplaren.

1815 Zweiter Band der »Kinder- und Hausmärchen«.

1816 Erster Band der »Deutschen Sagen« (zweiter Band 1818). Die Brüder sind als Bibliothekare am Fridericianum in Kassel angestellt (Wilhelm seit 1814).

1819 Erster Band »Deutsche Grammatik« (zweiter Band 1826, dritter Band 1831).

1822 Schwester Charlotte verheiratet sich mit Ludwig Hassenpflug. Der dritte Band der »Kinder- und Hausmärchen« erscheint.

1825 Wilhelm nimmt Dorothea Wild zur Frau.

1829 Die Brüder werden als Professoren an die Uni Göttingen berufen.

1837 Nach den Protesten der »Göttinger Sieben« werden sie entlassen und aus dem Königreich Hannover vertrieben. Rückkehr nach Kassel.

1841 Umzug von Kassel nach Berlin.

1846 Als Vorsitzender leitet Jacob die erste Germanistenversammlung in Frankfurt. Zwei Jahre später nimmt er als Abgeordneter an der Nationalversammlung in der Paulskirche teil.

1854 Der erste Band des »Deutschen Wörterbuchs« erscheint (zweiter Band 1860, dritter Band 1862).

1859 Wilhelm stirbt am 16. Dez. in Berlin und wird auf dem Friedhof der Matthäikirche begraben.

1863 Jacob am 20. Sept. in Berlin.

Über 3300 km Radfernwege führen durch das Bundesland: die Hessischen Radfernwege R 1 bis R 9, ergänzt durch den BahnRadweg Hessen und wichtige Abschnitte des Lahntal-, Werratal- und Ederradwegs, des Main- und Rheinradwegs.

www.radroutenplaner.hessen.de

Beckenlandschaften liegen dagegen zum großen Teil auf Höhen unter 200 m, die Flusstäler unterschreiten bisweilen die 100-m-Marke. Es gibt keine größeren natürlichen Seen. Der Edersee, ein Stausee im Landkreis Waldeck-Frankenberg ist mit Abstand der größte See des Bundeslandes.

Nationalparks:

– Kellerwald-Edersee

Biosphärenreservate:

– Rhön

Geo-Naturparks:

– Bergstraße-Odenwald

– Grenzwelten

Naturparks:

– Diemelsee

– Habichtswald

– Hochtaunus

– Hoher Vogelsberg

– Kellerwald-Edersee

– Lahn-Dill-Bergland

– Meißner-Kaufunger Wald

– Rhein-Taunus, Spessart

Weltnaturerbe:

– Grube Messel

– Nationalpark Kellerwald-Edersee

Weltkulturerbe:  – Kloster Lorsch

– Oberes Mittelrheintal

– Obergermanisch-Raetischer Limes

Weltdokumentenerbe:

– Originalschriften der Brüder Grimm in Kassel

– Fritz Langs »Metropolis« in  Wiesbaden

Odenwald, Spessart, Rhön, Vogelsberg, Taunus, Westerwald, Knüllgebirge, Habichtswald und Burgwald, die Täler von Lahn, Werra und Rhein – hessische Wanderregionen gibt es zuhauf und die Wanderwege erfüllen höchste Ansprüche an Erlebniswert und Qualität. Mit Prädikaten ausgezeichnet sind u. a. Alemannenweg, Burgwaldpfad, Diemelsteig, Ederhöhenpfad, Grimmsteig, Habichtswaldsteig, Hochrhöner, Kellerwaldsteig Edersee, Nibelungensteig, Rheinsteig, Rothaarsteig, Uplandsteig, Urwaldsteig Edersee, Werra-Burgen-Steig und Westerwald-Steig.

Pilgern liegt im Trend und ist in Hessen auf dem Elisabethpfad (von Frankfurt am Main nach Marburg), der Bonifatius-Route (von Mainz nach Fulda) und dem Jakobsweg/E 3 (zwischen Fulda und dem Main) möglich. Der Hugenotten- und Waldenserpfad, ein 1800 km langer Europäischer Kulturfernwanderweg, führt durch ganz Hessen.

80 n. Chr.

Der obergermanische Limes läuft quer durch das heutige Hessen und markiert bis 260 n. Chr. die Grenze des Römischen Reiches.

738

In einem Brief, den der in Fritzlar und Fulda wirkende christliche Missionar Bonifatius von Papst Gregor III. erhielt, ist zum ersten Mal von dem Gebiet der »Hessi« die Rede.

794

In einer Urkunde Karls des Großen wird Franconofurd (Frankfurt) erstmals schriftlich erwähnt.

1228

Als Geburtsstunde des Staates Hessen gilt der Umzug von Elisabeth, Witwe des thüringischen Landgrafen Ludwig IV., nach Marburg. Aufgrund ihres selbstlosen Einsatzes für Arme und Kranke wird sie heiliggesprochen.

1240

Frankfurt erhält von Kaiser Friedrich II. das Privileg, Messen abzuhalten. Allen Händlern wird freies Geleit zugesichert.

1264

Nach dem Ende des Thüringisch-Hessischen Erbfolgekriegs wird Heinrich I. (Heinrich das Kind) als Landgraf von Hessen anerkannt. 1277 wählt er Kassel zur Residenz.

1356

Frankfurt wird Wahlort und 1562 auch alleinige Krönungsstadt der deutschen Kaiser.

1527

In Marburg gründet Landgraf Philipp der Großmütige die heute älteste protestantische und die erste hessische Hochschule.

1567

Mit dem Tod Landgraf Philipps endet die Einheit Hessens. Die Grafschaft wird in Hessen-Kassel und Hessen-Darmstadt aufgeteilt.

1803

Der Reichsdeputationshauptschluss erhebt Hessen-Kassel in den Rang eines Kurfürstentums. Hessen-Darmstadt wird Großherzogtum und tritt auf Napoleons Betreiben 1806 zusammen mit den zum Herzogtum Nassau vereinigten nassauischen Fürstentümern dem Rheinbund bei.

1807

Bis 1813 besteht das Königreich Westphalen mit Kassel als Hauptstadt und Jérôme Bonaparte, dem Bruder Napoleons, als Regenten.

1810

Bis 1813 existiert innerhalb des Rheinbunds das Großherzogtum Frankfurt, zu dem Aschaffenburg, Fulda, Hanau und Wetzlar gehören.

1820

In Hessen-Darmstadt wird die konstitutionelle Monarchie eingeführt.

1848

Die erste deutsche Nationalversammlung tagt in der Paulskirche in Frankfurt am Main und arbeitet eine Verfassung für die Staaten des Deutschen Bunds aus.

1862

In Höchst wird eine Anilinfabrik gegründet, aus der die späteren Farbwerke Hoechst hervorgehen.

1867

Nach dem Sieg Preußens gegen Österreich wird der Kurfürst verbannt.Das Kurfürstentum Hessen-Kassel, das Herzogtum Nassau und die Stadt Frankfurt werden von Preußen annektiert und zur Provinz Hessen-Nassau zusammengeschlossen.

1893

Der erste hessische Fußballclub wird in Hanau gegründet.

1918

Der republikanische Volksstaat Hessen entsteht aus dem Großherzogtum Hessen-Darmstadt. Sitz der Regierung ist Darmstadt. Ab dem 20. Februar 1919 ist eine demokratische Verfassung in Kraft.

1931

Die NSDAP wird stärkste Kraft im Landesparlament.

1938

In Eschwege, Frankfurt, Marburg, Wiesbaden und vielen anderen Städten brennen die Synagogen.

1945

Im Frühjahr werden zahlreiche hessische Innenstädte durch die Bombenangriffe der Alliierten zerstört. Nach Kriegsende setzen die Amerikaner in ihrer Besatzungszone eine »Deutsche Regierung des Landes Hessen« in Darmstadt ein. Am  19. September wird Groß-Hessen ge- bildet und Wiesbaden am 12. Oktober zur Landeshauptstadt bestimmt.

1946

Am 1. Dezember finden die ersten Landtagswahlen statt; die Verfassung Hessens tritt in Kraft. Der Landtag bezieht das ehemalige Stadtschloss der Herzöge von Nassau in Wiesbaden.

1949

Für viele unerwartet, wird Bonn statt Frankfurt zur Hauptstadt der neu­gegründeten Bundesrepublik.

1955

Die erste documenta wird in Kassel eröffnet. Sie gilt als weltweit größte und bedeutendste Ausstellung zeitgenössischer Kunst.

1957

Der Naturschutzpark Hoher Vogelsberg wird als Erster seiner Art in Deutschland gegründet.

1985

Im hessischen Landtag wird Deutsch- lands erste rot-grüne Koalition gebildet. Umweltminister Joschka Fischer nimmt in Turnschuhen seine Ernennungsurkunde entgegen.

1997

Der Commerzbank Tower wird von Sir Norman Foster in Frankfurt als höchster Wolkenkratzer Deutschlands errichtet.

2007

Seit der zweiten Osterweiterung liegt der Mittelpunkt der Europäischen Union in Hessen – in Gelnhausen-Meerholz im Main-Kinzig-Kreis.

2011

Die Buchenwälder im Nationalpark Kellerwald-Edersee zählen zur Liste des UNESCO-Weltnaturerbes.